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Was als Idee begann: Der Weg zu RESET RANGER

Warum ich ein Bike bauen wollte, das nicht nach einem Hilfsmittel aussieht – und warum es dabei um viel mehr geht als um ein Bike.

2020 hatte ich einen Motorradunfall. Danach war vieles anders. Eine komplette Rückenmarksverletzung auf Höhe TH7 bedeutet für mich seitdem: Rollstuhl. Das ist eine ziemlich große Veränderung im Leben – körperlich, organisatorisch, manchmal auch im Kopf.

Was mich damals allerdings fast genauso beschäftigt hat wie die neue Situation selbst, war etwas anderes: die Technik, die mir plötzlich zur Verfügung stand.

Ich bin Maschinenbauingenieur und war vor meinem Unfall viel und gerne auf dem Bike unterwegs. Ich kannte also gute Sportgeräte. Ich wusste, wie sich ein Produkt anfühlen kann, das durchdacht ist, bei dem jedes Detail einen Sinn hat und bei dem Performance nicht nur auf einem Datenblatt steht.

Und dann stand ich plötzlich auf der anderen Seite.

Ich habe mir adaptive Sportgeräte angeschaut und war, ehrlich gesagt, ziemlich enttäuscht. Für mich war das sehr ernüchternd. Viel Gewicht, viel Marketing, hohe Preise – und gleichzeitig Produkte, bei denen ich mich gefragt habe, wo eigentlich die Technik geblieben ist, für die ich gerade so viel Geld bezahlen soll.

Gerade bei einem Sportgerät fand ich das schwer zu akzeptieren. Wenn du ohnehin schon mit einer körperlichen Einschränkung lebst, möchtest du nicht das Gefühl haben, bei der Technik den nächsten Kompromiss eingehen zu müssen.

Ein Bekannter sagte irgendwann zu mir: „Jetzt geht halt nichts mehr.“ Dieser Satz hat mich ziemlich getroffen, weil ich weiß, dass man es selbst in der Hand hat, wohin der Weg geht und wie die Sicht auf die Welt ist. Ich bin Ingenieur. Ich wusste, was technisch möglich ist. Und ich wusste auch, dass mein Körper nicht das einzige System ist, das man optimieren kann. Also habe ich angefangen, ein eigenes Bike zu bauen.

Erst einmal herausfinden, was wirklich fehlt

Die erste Frage war nicht: Wie bauen wir das geilste Bike? Die erste Frage war: Was kann ich eigentlich selbst kompensieren und was muss die Technik übernehmen? Kraft lässt sich trainieren. Stabilität lässt sich trainieren. Bewegungsabläufe lassen sich trainieren. Aber irgendwann gibt es einen Punkt, an dem der Körper nicht weiterkommt. Genau dort muss ein gutes technisches System ansetzen. Diese Trennung ist für mich bis heute wichtig. Ein Handicap ist eine körperliche Einschränkung. Behinderung entsteht oft an einer anderen Stelle – im Kopf und durch die Zuschreibungen anderer. Mich interessiert deshalb nicht besonders, wie gut ein Produkt eine Behinderung sichtbar macht. Mich interessiert, wie gut es sie überflüssig macht. Mein persönliches Ziel war ziemlich simpel: Ich wollte mit meinen Freunden in den Bikepark fahren und hinterher hören: „Boah, Alter. Du bist um nichts langsamer.“ Nicht aus Mitleid. Nicht als Inspiration.

Einfach, weil ich mitfahren kann.

Der erste Versuch war ziemlich daneben

Der erste Prototyp sah für mich fantastisch aus. Allein deshalb, weil er existierte. Er war ein Enabler. Zum ersten Mal hatte ich etwas vor mir, mit dem ich mir wieder vorstellen konnte, Dinge zu tun, die vorher selbstverständlich gewesen waren. Fahren. Springen. Draußen sein. Technisch war das Ding allerdings ziemlich weit davon entfernt, gut zu sein. Zu wenig Stabilität. Falsche Versteifungen. Zu wenig Motorleistung. Dinge, die auf dem Papier irgendwie funktionieren, werden in der Realität ziemlich schnell interessant, wenn du damit einen Hang runterfährst.

Also haben wir angefangen, auseinanderzunehmen, was nicht funktioniert. Mein Vater war dabei, später kam Thomas dazu, mein Geschäftspartner. Wir haben gerechnet, gebaut, getestet, verworfen und wieder angefangen. Und irgendwann wurde aus dem Eigenbau langsam ein Produkt. Ein Punkt war dabei für mich besonders wichtig: das Gewicht. Im adaptiven Bereich sind Bikes mit 45 Kilogramm und mehr keine Seltenheit. Das kann fast das halbe Körpergewicht eines Fahrers sein. Für mich war das absurd. Ein Bike, das dich unabhängiger machen soll, darf nicht selbst zum Problem werden. Gewicht beeinflusst alles: Beschleunigung, Agilität, Handling, Transport, Sicherheit. Wenn du auf einem Trail unterwegs bist, merkst du jedes Kilo. Also haben wir den schweren Stahlrahmen des ersten Prototyps komplett neu gedacht und einen mix aus dünnwandigen Stahlrohren in kombination CNC-Teilen aus Aluminium geplant. Durch die Simulation der kritischen Komponenten konnte die Gesamtmasse noch weiter reduziert werden. Nicht, weil Zahlen auf einer Website gut aussehen, sondern weil wir wissen wollten, wo Material wirklich gebraucht wird und wo nicht. Dazu kamen unzählige Stunden Handarbeit. Lange Zeit sah das Ganze auch genau danach aus: nach einem Eigenbau. Doch irgendwann standen wir daneben und dachten: Das sieht tatsächlich aus wie ein Produkt.

Die Requirements List

Je weiter wir kamen, desto mehr Menschen hatten eine Meinung dazu, was funktionieren müsste. Das ist bei neuen Ideen ziemlich normal. Manche Dinge davon waren hilfreich. Andere weniger. Ich habe deshalb irgendwann aufgehört, mich an der Meinung einzelner Leute zu orientieren, und mich stattdessen immer wieder an unserer Requirements List festgehalten. Was muss das Bike können? Was muss es aushalten? Wie soll es sich fahren? Wie leicht muss es sein? Wie kompakt? Wie muss es sich bei einem Sprung verhalten?

Und vor allem: Was muss passieren, damit ich damit nicht nur irgendwo hinkomme, sondern wirklich Spaß habe?

Das war der Maßstab, da es ja ein komplett neues Konzept war und keine vergleichbaren Fahrzeuge gab.

Ein Bike, das nicht nach Hilfsmittel aussieht

Ich wollte nie ein Bike bauen, das beim ersten Blick sagt: Hier sitzt ein Mensch mit Behinderung. Ich wollte ein Bike bauen, bei dem man zuerst denkt: Was ist das denn für ein geiles Teil? Deshalb gehört für mich auch der Lifestyle dazu.

Sportgerät und Alltag müssen sich auch nicht ausschließen. . Das klingt vielleicht nach einer Kleinigkeit aber mit Handicap ist das oft nicht so einfach wie es sein sollte. Denn ein Fahrzeug für Menschen mit Handicap muss auch die Möglichkeit bieten, sein Hilfsmittel (Rollstuhl, Krücken,…) mitnehmen zu können, und dabei darf man das eine nicht vergessen:

Es muss richtig geil aussehen.

Sicherheit bedeutet nicht, alles einzuhausen

Ein weiteres wichtiges Schlüsselelement, über das sehr viel nachgedacht und disskutiert wurde, ist die Sicherheit.

Die Antwort darauf ist nicht, den Fahrer in eine möglichst starre Konstruktion einzubauen, sprich Überrollkäfig. Das bedeutet, dass Zusätzliches Gewicht am Fahrzeug angebracht wird und dadurch die Mobilität eingeschränkt wird. Beim Mountainbiken gehören Stürze dazu. Die Frage ist deshalb, was passiert, wenn es passiert. Wir setzen auf eine offene Sitzschale mit niedriger Rückenlehne. Sie gibt Halt, lässt dem Oberkörper aber gleichzeitig Bewegungsfreiheit. Das klingt zunächst wenig nach Sicherheit. Kannst du dich aber vom Fahrzeug selber wegrotieren und der Oberkörper genug Freiheit behält, um sich bei einem Sturz zu bewegen, abzustützen oder abzurollen, entsteht ein anderes Sicherheitskonzept. Aktive Bewegung, mit dem Fahrzeug abrollen, und das in Kombination mit einem Leichtbaukonzept und extrem starken Bremsen erlauben ein sicheres Fahren (aktive Sicherheit) und im Falle des Sturzes ein Wegrotieren des Körpers von harten Gegenständen wie Wurzeln oder Steinen.

Nicht maximale Einschränkung sondern kontrollierte Freiheit.

Der Ranger ist deshalb mehr als ein Bike

Ich wollte kein möglichst kompliziertes Hilfsmittel bauen. Es sollte ein Fahrzeug sein, welches leicht, kompakt und präzise ist. Eines, dass bei Sprüngen ausbalanciert bleibt und auf unebenem Untergrund schnell reagiert. Eines, bei dem der Lenker die breiteste Stelle ist. Ein Design, dass jedem sofort ins Auge springt und dich nur beim bloßen hinsehen begeistert. Das ist für mich gute Ingenieursarbeit. Technologie ist dabei aber nie der eigentliche Zweck, sie ist das Mittel. Das Ziel ist, dass du rausgehst und eine gute Zeit hast, eine richtig gute. Genau deshalb heißt das Projekt RESET.

Wir können die Vergangenheit nicht ändern, aber ein Unfall ist nicht das Ende der Geschichte. Manchmal ist dies der Punkt, an dem man anfangen muss, die Dinge neu zu denken.

Ich wollte mich mit „Jetzt geht nichts mehr“ nicht abfinden. Deshalb habe ich angefangen, ein Bike zu bauen, bei dem möglichst viel wieder geht.

Und jetzt? Jetzt zeigen wir, dass sich Design, Qualität und ein fairer Preis nicht ausschließen müssen. Nicht mit großen Versprechen, sondern mit einem echt durchdachten adaptiven Mountainbike.

Und dann war da Thomas

Ein Bike wie der Ranger entsteht nicht alleine. Irgendwann auf dem Weg kam Thomas dazu. Erst als jemand, mit dem ich über das Projekt gesprochen habe. Dann als jemand, der mitgedacht, hinterfragt, ausprobiert und immer wieder mit angepackt hat. Und irgendwann war klar: Das hier machen wir zusammen. Thomas hat nicht nur einiges mitgemacht – er hat unglaublich viel eingebracht. Ideen, Zeit, Geduld, Know-how und vor allem die Bereitschaft, auch dann weiterzumachen, wenn etwas zum wiederholten Mal nicht funktioniert hat. Denn ein Produkt von Grund auf neu zu entwickeln bedeutet nicht nur, gute Ideen zu haben. Es bedeutet auch, Entscheidungen zu treffen, Dinge zu verwerfen, Kompromisse zu hinterfragen und manchmal einfach weiterzumachen, obwohl man gerade nicht weiß, wie die nächste Lösung aussehen wird. Dafür braucht es einen Partner, der nicht nur danebensteht, sondern wirklich mitgeht. Thomas ist für mich genau dieser Partner.

Deshalb gehört an diese Stelle vor allem eines: Danke, Thomas.

Danke für alles, was du eingebracht hast. Für die vielen Stunden, die man später keinem Bauteil mehr ansieht. Für die Diskussionen, die Tests, die Rückschläge und die Momente, in denen aus einer Idee langsam etwas Reales geworden ist. Der Ranger wäre ohne dich nicht das Bike, das er heute ist. Und wahrscheinlich wäre er ohne dich überhaupt nicht entstanden.

Plot-
Konfigurator